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11.03.2002

Mandelmilch in der Säuglingsernährung

 

Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund

 

Es gibt verschiedene Rezepte für Mandelmilch für Säuglinge. Reine Mandelmilch besteht aus einer Suspension geriebener Mandeln in Wasser [1].
Frischkorn-Mandelmilch wird zusätzlich mit fein gemahlenem, rohen, eingeweichten Getreide angerührt. Das Rezept für die Herdecker Mandelmilch besteht aus Vorzugsmilch, Wasser, Milchzucker und Mandelmus [2]. Sie wird wie die Halbmilch nach Droese
und Stolley zubereitet, der vom Forschungsinstitut für Kinderernährung [3] und der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde [4] akzeptierten Form der Selbstherstellung von Säuglingsmilch.

Die Gehalte von Energie, Fett, Protein und Kohlenhydraten der Mandelmilchen sind mit denen der kommerziellen Säuglingsmilchnahrungen vergleichbar (Tab. 1). Lediglich die energie- und kohlenhydratarmen reinen Mandelmilchen stellen eine Ausnahme dar.
Allerdings hat das Protein von Mandelmus und Getreide eine geringe biologische Wertigkeit. Mandelmus enthält im Vergleich zu Milch wenig Lysin, Methionin, Isoleucin und Tryptophan, Getreide wenig Lysin [5].

Bei allen Mandelmilchen, besonders bei den vegetarischen, bestehen Defizite im Gehalt von Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere bei den Vitaminen C, B2 und B12 sowie bei Calcium. Bei der Frischkorn-Mandelmilch mit Hafer sind die Nährstoffgehalte höher als bei der Zubereitung mit Reis (Tab. 1). In den ersten 4 Lebensmonaten sollte aber zur Prävention der Zöliakie kein glutenhaltiges Getreide, wie Hafer, verfüttert werden [5].

Das in der EG-Richtlinie für Säuglingsanfangsnahrung [6] empfohlene Verhältnis von omega-6- zu omega-3-Fettsäuren von 5 : 1 bis 15 : 1 erreichen von den selbsthergestellten Säuglingsnahrungen nur die Herdecker Mandelmilch und die Halbmilch nach Droese und Stolley.

Jedoch sagen die hier aus den Zutaten berechneten Nährstoffgehalte noch nichts über die Verfügbarkeit aus. Nicht erhitztes Getreide wie in Frischkorn-Mandelmilch ist schlechter verträglich als erhitztes Getreide. Die Verfügbarkeit von Eisen aus Getreide ist nur gering, zumal Frischkorn-Mandelmilch kein Vitamin C enthält, das einen positiven Einfluß auf die Verfügbarkeit besitzt.

Während die reine Mandelmilch nach Bruker vor jeder Mahlzeit frisch zubereitet werden soll, wird das Getreide für die Frischkorn-Mandelmilch vorher 5-8 Stunden eingeweicht. Dabei besteht das Risiko einer bakteriellen Kontamination.

In dem Rezept für die Herdecker Mandelmilch, die als einzige Kuhmilch enthält, wird die Verwendung von Vorzugsmilch, d. h. Rohmilch empfohlen. In dem Herdecker Rezept wird die Milch jedoch aufgekocht, so dass die grundsätzlichen hygienischen Risiken von Rohmilch hier nicht relevant sind.

Da alle selbstzubereiteten Säuglingsnahrungen zu wenig Vitamin C und Vitamin A enthalten, ist ab der 6. Woche ein Zufüttern von Obst und Karottenmus erforderlich. Besonders bei allergiegefährdeten Kindern ist dies problematisch, da bei diesen Kindern ein früher Kontakt mit verschiedenen Fremdeiweißen vermieden werden sollte.

Für alle Säuglinge, die nicht gestillt werden, ist eine industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung die beste Alternative. Selbstzubereitete Säuglingsmilch kann die
Ausgewogenheit des Nährstoffgehaltes von industriell hergestellter Säuglingsmilch nicht erreichen. Die Zutaten für selbsthergestellte Säuglingsmilch unterliegen außerdem nicht der strengen Kontrolle der Diät-Verordnung. Zudem ist die Selbstzubereitung von Säuglingsmilch sehr aufwendig, da eine besondere hygienische Sorgfalt und Genauigkeit beim Abmessen der Zutaten erforderlich ist. Besonders aufwendig ist die Zubereitung von Mandelmilch bzw. Frischkornmandelmilch nach Bruker, da hierfür für jede Flasche 6-7 Mandeln auf einer Muskatreibe gerieben werden sollen [1].
Soll die Säuglingsmilch dennoch selbst hergestellt werden, kommt nur das Rezept nach Droese und Stolley oder die Herdecker Mandelmilch in Betracht.
Vegetarische Mandelmilchen sind für Säuglinge in keinem Fall geeignet, wie die dabei aufgetretenen Gedeihstörungen eindrücklich zeigen [7].

 

Literatur:

[1] Bruker M. O u. i. Gutjahr: Biologischer Ratgeber für Mutter und Kind. Lahnstein: Verlag für Ernährung, Medizin und Umwelt, 1991.

[2] Gemeinnütziges Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, Kinderabteilung: Beratungen zur Säuglingsernährung. Verein für ein erweitertes Heilwesen, Bad Liebenzell, o. J.

[3] Forschungsinstitut für Kinderernährung (Hrsg.): Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen. Dortmund 1996 (Broschüre)

[4] Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde: Ratschläge für Eltern zur Säuglingsernährung. Kinderarzt 22, S.1217-1219 (1991).

[5] Wachtel U.: Ernährung von gesunden Säuglingen und Kleinkindern. Stuttgart: Thieme Verlag 1990

[6] Kommission der Europäischen Gemeinschaft. Änderung der Richtlinie 91/321/EWG über Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung vom 16. Februar 1996 (96/4/EG). Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr. L49/12 vom 28.2.96.

[7] Madeleyn R.: Alternative Säuglingsernährung. Monatsschrift Kinderheilkunde (144) S.239-244 (1996).

 

 



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